Gleichklang-Umfrage: Sexuelle Übergriffe

2016-02-04 09:28 von Team Gleichklang (Kommentare: 12)

Hintergründe

Wir haben Gleichklang-Mitglieder zu sexuellen Übergriffen befragt. Wir fragten dabei sowohl nach erlittenen sexuellen Übergriffen wie auch nach selbst verübten Übergriffen. Die Umfrage bezog sich auf:

- sexuelle Übergriffe jemals im Leben
- sexuelle Übergriffe bei Gleichklang
 
Als sexueller Übergriff war jede sexuelle Handlung definiert, die gegen die Zustimmung einer Person durchgeführt wurde.

Wir haben ebenfalls nach der Art der sexuellen Übergriffe gefragt, die von körperlichen Berührungen außerhalb des Intimbereichs bis hin zu Vergewaltigungen reichten.

Außerdem haben wir unsere Mitglieder um eine Einschätzung gebeten, für wie groß sie das Problem mit sexuellen Übergriffen bei Gleichklang halten und ob sie akuten Handlungsbedarf sehen.

Am Schluss wurden die Mitglieder um Vorschläge gebeten, wie das das Risiko sexueller Übergriffe bei Gleichklang reduziert werden kann. Alle Vorschläge wurden ausgewertet und verschiedenen Kategorien zugewiesen.

An der Umfrage beteiligten sich 1379 Gleichklang-Mitglieder im Alter von 18 bis 78, unter ihnen 759 Frauen und 620 Männer. Die Umfrage wurde unter Zusicherung der Anonymität und bei Verzicht auf die Erfassung der IP-Adressen durchgeführt.

Im Folgenden werden zunächst die Ergebnisse dargestellt gemäß der Reihenfolge: (1) Erlittene sexuelle Übergriffe jemals im Leben, (2) Erlittene sexuelle Übergriffe bei Gleichklang, (3) Selbst verübte sexuelle Übergriffe, (4) Meinungen zu Problemausmaß und Handlungsbedarf.

Im Anschluss werden die Ergebnisse diskutiert, wobei auf gesellschaftliche Aspekte und auf die Bedeutsamkeit für Gleichklang eingegangen wird.

In einem weiteren Abschnitt stellen wir dar, was wir derzeit zur Prävention sexueller Übergriffe bei Gleichklang tun und was wir künftig noch zusätzlich tun werden.

Abschließend plädiert der Artikel dafür, dass sexuelle Übergriffe der Sexualität nicht ihren positiven Bezug nehmen sollten, da im Gegenteil eine positive und offene gesellschaftliche und individuelle Einstellung zur Sexualität als ein wichtiger Schutzfaktor gegen sexuelle Übergriffe zu bewerten ist.

 

Ergebnisse

 

Erlittene sexuelle Übergriffe jemals im Leben


- 67,2% oder zwei von drei befragten Frauen gaben an, bereits Opfer mindestens eines sexuellen Übergriffs in ihrem Leben geworden zu sein. 35,4% berichteten über mehrere Übergriffe durch verschiedene Personen, 26,7 über einen Übergriff einer Person und 5,3% über mehrere Übergriffe der gleichen Person. Bezüglich der Art der Übergriffe gaben 31% an, außerhalb des Intimbereichs berührt worden zu sein. 31% berichteten von Berührungen im Intimbereich. 21,7% gaben an, gegen ihren Willen geküsst worden zu sein. 8,7% berichteten über Versuche, sie zu entkleiden. 12% gaben an, zur Durchführung oder Duldung sexueller Handlungen durch Gewalt genötigt worden zu sein. 8,8% berichteten über eine erlittene Vergewaltigung durch erzwungenes Eindringen in den eigenen Körper. Insgesamt gab jede sechste Frau an (16,9%), Opfer eines schweren sexuellen Gewaltdelikts im Sinne einer Nötigung oder Vergewaltigung geworden zu sein.

- Sexuelle Übergriffe gegen Männer kamen erheblich seltener vor, waren aber nach den Ergebnissen der Umfrage ebenfalls durchaus weit verbreitet. So gab mehr als jeder vierte befragte Mann (28,1%) an, bereits Opfer mindestens eines sexuellen Übergriffs in seinem Leben geworden zu sein. 10,2% berichteten über mehrere Übergriffe durch verschiedene Personen, 15,2% über einen Übergriff einer Person und 2,7% über mehrere Übergriffe durch die gleiche Person. Bezüglich der Art der Übergriffe gaben 8,8% der befragten Männer an, außerhalb des Intimbereichs berührt worden zu sein. 11,0% berichteten von Berührungen im Intimbereich. 6,0% gaben an, gegen ihren Willen geküsst worden zu sein. 3,1% berichteten, dass jemand versucht habe, sie zu entkleiden. 2,1 % gaben an, durch Gewalt zur Durchführung oder zum Erdulden sexueller Handlungen genötigt worden zu sein. 2,1% berichteten, durch erzwungenes Eindringen in den eigenen Körper vergewaltigt worden zu sein. Insgesamt gab jeder fündfunzwanzigste der befragten Männer (3.9%) an, Opfer eines schweren sexuellen Gewaltdelikts im Sinne einer Nötigung oder Vergewaltigung geworden zu sein. Gerade besonders schwere Formen der sexuellen Gewalt werden demnach von Männern seltener erlitten als von Frauen.

 

Erlittene sexuelle Übergriffe bei Gleichklang

- Es gab ebenfalls, wenn auch sehr selten, Übergriffe während der Online-Dating bei Gleichklang. So gaben 40 oder 5,3% der befragten 759 weiblichen Gleichklang-Mitglieder an, durch ein anderes Mitglied einen Übergriff erlitten zu haben. 34 Mitglieder (4,5%) berichteten über einen einmaligen Übergriff eines anderen Mitgliedes. 4 Mitglieder (0,5%) gaben an, dass das gleiche Gleichklang-Mitglied mehrfach übergriffig geworden sei. 2 Mitglieder (0,3%) berichteten von mehreren Übergriffen mehrerer Gleichklang-Mitglieder. Sehr viel seltener berichteten männliche Gleichklang-Mitglieder von sexuellen Übergriffen durch andere Mitglieder. Aber auch 6 männliche Mitglieder (1%) gaben mindestens einen Übergriff durch ein andere Mitglied an. 5 Männer (0,8%) berichteten von einem Übergriff eines Mitgliedes, ein Mann (0,2%) gab mehrere Übergriffe mehrerer Mitglieder an. Die berichteten sexuellen Übergriffe bezogen sich vorwiegend auf Berührungen außerhalb und innerhalb des Intimbereichs, Küssen oder Entkleidungsversuche. Ein (weibliches) Mitglied berichtete aber, Opfer eines schweren Gewaltdelikts im Sinne einer Vergewaltigung geworden zu sein. Über sexuelle Nötigungen wurde nicht berichtet. Die berichtete Vergewaltigung wirkt authentisch, auch weil das entsprechende Mitglied bei der abschließenden freien Text-Frage noch einmal detaillierter schilderte, dass es nach der erlittenen Vergewaltigung Gleichklang verlassen habe.


Selbst verübte sexuelle Übergriffe

-  27,4% oder mehr als jeder vierte Mann gestand in der Umfrage ein, innerhalb seines Lebens bereits mindestens einmal selbst sexuell übergriffig geworden zu sein. Deutlich weniger, aber ebenfalls fast jede zehnte der befragten Frauen (10,9%) gab an, bereits selber sexuell übergriffig geworden zu sein. Es dominierten Berührungen außerhalb des Intimbereichs (Männer: 13,9%, Frauen: 4,9%) und Versuche, eine Person gegen ihren Willen zu küssen (Männer: 10,3%, Frauen: 2,2%). Ebenfalls wurden mehrfach Versuche berichtet, eine Person zu entkleiden (Männer: 4,2%, Frauen: 0,9%). Demgegenüber gab jeweils nur ein Mann und eine Frau an, eine andere Person mit Gewalt sexuell genötigt zu haben. Eine Frau berichtete in der Umfrage von einer verübten Vergewaltigung.

-  Insgesamt gaben 11 Männer und 9 Frauen an, gegenüber einem Gleichklang-Mitglied sexuell übergriffig geworden zu sein. Bei den Übergriffen handelte es sich vorwiegend um Berührungen außerhalb und innerhalb des Intimbereichs, Küssen und versuchte Entkleidungen. Ein (weibliches) Mitglied berichtete aber ebenfalls, ein anderes Mitglied zu sexuellen Handlungen gewaltsam genötigt zu haben.

- Mehrere Männer und Frauen, die über selbst verübte sexuelle Übergriffe berichteten, gaben im freien Textfeld an, die Wünsche der anderen Person fehlinterpretiert zu haben. Deutlich wurde aus diesen Berichten insbesondere auch ein Fehlen einer verbalen Kommunikation über Sexualität. Derartige Kommunikationsstörungen können offenbar nach den Ergebnissen der Befragung im Einzelfall zu Missverständissen führen, die dann - auch durch die übergriffige Person selbst - als sexueller Übergriff erlebt werden können. Derartige Handlungsweisen betrafen übrigens vorwiegend Küssen wie auch Berührungen außerhalb des Intimbereichs.


Mitglieder-Meinungen zu Problemausmaß und Handlungsbedarf bei Gleichklang

74,4% der befragten Frauen und 85,95% der befragten Männer gaben an, dass es ihrer Ansicht nach kein Problem mit sexuellen Übergriffen bei Gleichklang gebe. Das Bestehen eines Problemes, was aber geringer sei als in der Gesellschaft, wurde von 10,8% der weiblichen Mitglieder und 6,2% der männlichen Mitglieder bejaht. 15,31% der weiblichen Mitglieder sahen ein ebenso großes Problem bei Gleichklang wie in der Gesellschaft, wobei der ebntsprechende Anteil der männlichen Mitglieder 7,79% betrug. 0,3% der befragten weiblichen Mitglieder und 0,2% der befragten männlichen Mitglieder sehen gar bei Gleichklang ein größeres Problem mit sexuellen Übergriffen als in der Gesellschaft im Allgemeinen.

Sollte Gleichklang mehr unternehmen, um sexuellen Übergriffen gegen seine Mitglieder entgegen zu wirken? 91,6% der befragten weiblichen Mitglieder verneinten, 8,4% bejahten bestehenden Handlungsbedarf. Bei den männlichen Mitgliedern verneinten 94,6% bestehenden Handlungsbedarf, während 5,4% Handlungsbedarf sahen.


Mitgliedervorschläge zu möglichen Maßnahmen

Fast 500 Mitglieder unterbreiteten eigenen Vorschläge, wie Gleichklang das Risiko von sexuellen Übergriffen vermindern könne. Wir haben diese Vorschläge gesichtet und sie folgenden Kategorien zugewiesen. Die Reiehnfolge enspricht der Häufigkeit der Nennung:

- Aufklärung und Bewusstmachung durch Community-Regeln, Rundschreiben und Umfragen. Bereitstellung von Informationen zu respektvollem Verhalten untereinander.

- Meldefunktion für Mitglieder, die sexuelle Übergriffe erlebten. Bereitstellung einer Ansprechpartnerin bei Gleichklang und Ermutigung, sich zu melden.

- Sperrung von Mitgliedern, gegen die Vorwürfe erhoben werden. Gleichzeitig betonten viele (weibliche und männliche) Mitglieder, dass es wichtig sei, beide Seiten anzuhören und wenn möglich eine Mediatorenfunktion zu übernehmen. Dabei solle auch zwischen dem Schweregrad der Vorfälle unterschieden werden. Manche Mitglieder betonten, es sollten lieber zu viele als zu wenige Mitglieder gesperrt werden, andere betonten wiederum, es dürfe zu keinen unberechtigten Sperrungen und zu keinem Klima der Denunziation kommen.

- Hinweise an die Mitglieder zu Verhaltensweisen, wie das individuelle Risiko reduziert werden kann, insbesondere auch zu Örtlichkeiten von Treffen (öffentliche Plätze, keine Privatwohnungen), expliziter Vorabkommunikation der eigenen Vorstellungen (z.B. ob Gespräche über Sexualität stattfinden sollen oder nicht, ob Sexualität zunächst ausgeschlossen ist oder stattfinden kann, wenn beide explizit Ja zueinander sagen), vorherigen Informationseinholung und Eindrucksgewinnung über den Nachrichtenaustausch und Telefonate, Sicherheitsmaßnahmen, wie Mitteilung von Treffen und Aufenthaltsort an Freunde mit Sicherheitsanruf, Bekanntmachung von Angeboten, wie dem Heimwegtelefon http://www.heimwegtelefon.de/, oder auch Übernahme von telefonischer Begleitung durch das Gleichklang-Team selbst.  

- Bessere Sicherheitsüberprüfungen bei Gleichklang durch Einholung einer Kopie des Personalausweises.

- Stärkere Einschränkung des Mitgliederkreises durch eingebaute Fragen zu möglichem Problemverhalten und Verweigerung der Mitgliedschaft bei problematischem Anwortverhalten, Teilnahme an verpflichtendem Test zu angemessenem Dating-Verhalten vor dem Beginn der Mitgliedschaft.

- Bereitstellung von Informationen zu externen Therapeuten und Ansprechpartnern in den verschiedenen Städten und Regionen.

 

Bewertung der Ergebnisse durch Gleichklang

 

Gesellschaftliche Aspekte

-  Die derzeitige Diskussion zu sexuellen Übergriffen in Anbetracht der Vorfälle in Köln läuft nach unserer Einschätzung in eine gefährlich falsche Richtung. Die Foklussierung von Medien und Politik auf Ausländer und Asylbewerber ist nämlich geeignet, die Allgegenwärtigkeit sexueller Übergriffe in der Gesellschaft auszublenden. Ausländer werden so zu klassischen Sündenböcke, um von einem Problem abzulenken, anstatt es zu lösen. Chancen für einen gesellschaftlichen Einstellungs- und Verhaltenswandel, die in einer Sensitivierung für die Thematik und dem gesellschaftlichen Einüben au fallen Ebenen (Schule, Ausbildung, Beruf, öffentliche Medien, spezifische Seminare) eines respektvollen Umgangs untereinander liegen,  werden so verspielt. Damit aber droht die gegenwärtige einseitge und ausländerfeindliche Diskussion sexuelle Übergriffe eher zu fördern als diese zu bekämpfen. Sachlage ist, dass die Gleichklang Mitgliedschaft in ihrer überwältigenden Mehrheit aus Personen ohne Immigrationshintergrund besteht, dass aber dennoch mehr als jeder vierte Mann und jede zehnte Frau angegeben haben, selber mindestens einen sexuellen Übergriff begangen zu haben. Wer die Thematik der sexuellen Übergriffigkeit daher vorwiegend oder sogar nur in Bezug auf Ausländer oder Asylbewerber diskutiert, handelt damit selbstgerecht und trägt dazu bei, die Allgegenwärtigkeit sexueller Übergriffigkeit und Gewalt zu bagatellisieren. Die stürmerartige Berichterstattung einiger Medien, die visuell die "Beschmutzung" weißer Frauen durch dunkelhäutige Männer thematisierten, verbreiten so nicht nur Rassismus und Fremdenhass, sondern schaden ebenfalls den Opfern sexueller Gewalt und der erforderlichen gesellschaftlichen Diskussion über die Prävention sexueller Übergriffe.

-  Die Ergebnisse bestätigen Befunde, dass sexuelle Übergriffe auf Frauen häufiger stattfinden als auf Männer, wobei aber gleichzeitig deutlich wird, dass sexuelle Übergriffe auf Männer ebenfalls rechthäufig stattfinden. Männer werden zwar deutlich häufiger übergriffig, aber auch jede zehnte befragte Frau gab in dieser Umfrage an, bereits sexuell übergriffig geworden zu sein.

- Ein Teil sexueller Übergriffigkeit scheint auch aus Missverständissen über die Wünsche der anderen Person zu resultieren - so berichteten es jedenfalls mehrere Frauen und Männer, die angaben, selbst übergriffig geworden zu sein. Ein Faktor scheint hier eine mangelnde Fähigkeit/Bereitschaft zur verbalen Kommunikation über Bedürfnisse nach Nähe und Sexualität zu sein, die eigentlich eine einfache Rückversicherung durch eine andere Person jederzeit möglich machen und dadurch Missverständnisse vermeiden kann. Offene Kommunikation über sexuelle Wünsche, Bedürfnisse und die mit ihr einhergehende Verschiedenheit kann gesellschaftlich angeleitet und trainiert, aber auch durch konservativ-sexualitätsfeindliche Haltungen gehemmt und blockiert werden. Ein Beispiel für einen solchen Blockadeprozesse, der letztlich sexuelle Übergriffe fördern kann, war der Proteststurm gegen den Sexualaufklärungsunterricht in Baden-Würtemberg, der bereits im Kindesalter offen über Sexualität und die menschliche Verschiedenheit sprechen wollte. Ein weiteres Beispiel sind Kampagnen gegen Sexualwissenschaftler, die wissenschaftlich fundierte Vorschläge für einen effektiven Sexualkundeunterricht in der Schule erarbeiten und publizieren. Dabei ist es gerade die frühe Vermittlung einer solchen kommunikativen Offenheit, die ein respektvolles menschliches Sexualverhalten fördern und dem Grundsatz "ein Nein ist ein Nein" zum Durchbruch verhelfen kann. Je früher und klarer Menschen lernen, über sexuelle Bedürfnisse zu sprechen, desto eher werden sie später mit einer anderen Person zunächst in einen Kommunikationsprozess eintreten, bevor sie sexuelle oder sexualitätsnahe Handlungen vornehmen.

 

Übergriffe bei Gleichklang

Bezüglich des Online-Dating zeigt sich nach unserer Einschätzung, dass eine gebührenpflichtige Plattform wie Gleichklang, die zudem ihren Mitgliedern klare Verhaltensregeln kommuniziert (Community-Regeln, Rundschreiben), das Problem sexueller Übergriffe deutlich begrenzen kann. Bei Gleichklang kommt hinzu, dass wir uns an Menschen mit hohem sozial-ökologischem Bewusstsein wenden, von denen davon auszugehen ist, dass sie in höherem Ausmaß respektivoll miteinander umgehen und stärker für die Thematik sensibilisiert sind als die Allgemeinbevölkerung. Außerdem gibt es bei Gleichklang keine kostenlose Teilnahme und es gibt keine Suchfunktion, mit der potentielle Täter explizit nach möglichen Opfern suchen können. Aus diesen Faktoren erklärt sich nach unserer Einschätzung maßgeblich, warum sexuelle Übergriffe bei Gleichklang selten vorkommen. Dennoch wird aus den Ergebnisse deutlich, dass sich auch bei Gleichklang sexuelle Übergriffe nicht vollkommen ausschließen lassen, bis hin zur in hohem Ausmaß authentisch wirkenden Schilderung einer Vergewaltigung, auch wenn die Übergriffe ansonsten nicht das Ausmaß einer sexuellen Nötigung oder Vergewaltigung erreichten. Wir sehen es daher als eine Verpflichtung von Gleichklang und von allen Dating-Anbietern an, Mitglieder für die Thematik zu sensibilisieren und so viel wie möglich zu tun, um die Gefahr sexueller Übergriffigkeit absenken zu können.

Sachlage ist, dass die große Mehrheit der Mitglieder kein Problem bei Gleichklang mit sexuellen Übergriffen und keinen Handlungsbedarf sieht. Dies begründet sich daraus, dass sexuelle Übergriffe tatsächlich bei Gleichklang nur sehr selten vorkommen. Da aber auch wenige sexuelle Übergriffe bereits zu viel sind, sehen wir Handlungsbedarf und werden uns dabei auch an den Vorschlägen der Mitglieder orientieren.

 

Derzeitige Maßnahmen

- Wir versuchen eine implizite Vorauswahl von Mitgliedern zu treffen, die die Risiken sexueller Übergriffigkeit minimieren soll. Entsprechend wenden wir uns nur an Mitglieder mit hoher sozial-ökologischer Verantwortlichkeit und erlauben zudem keine kostenlosen Mitgliedschaften, auch keine Test- oder Probeabos, die Personen mit unseriösen Absichten anlocken. Wir verzichten hier (im gegensatz zu allen anderen Dating-Plattformen) bewusst auf ein hochwirksames Werbeinstrument, um die positive Erfahrungen unserer Mitglieder zu maximieren und negative Erfahrungen, einschließlich sexueller Übergriffe, zu minimieren.  

- Wir unternehmen verschiedene Strategien, um unsere Mitglieder für die für die Thematik zu sensitivieren. So haben wir Community-Regeln, die unsere Mitglieder vor Beginn der Mitgliedschaft bestätigen müssen und die wir sowohl im Teilnahmebereich als Link einblenden als auch auf der Startseite prominent mit Link zur entsprechenden Unterseite plazieren. Die Community-Regeln sind tatsächlich eine der meist gelesenen Unterseiten von Gleichklang. Ebenfalls weisen wir in Rundschreiben auf die Notwendigkeit eines respekvollen Umgangs hin. Auch diese Umfrage dient in der Tat ebenfalls dem Aspekt der Sensitivierung. Außerdem wenden wir uns immer persönlich an Mitglieder, über die Beschwerden vorliegen, und weisen diese auf die Grundprinzipien eines respektvollen Umganges und die Einhaltung der Community-Regeln hin, auch wenn die große Mehrheit der Beschwerden nicht sexuelle Übergriffe betrifft.

- Beim Matching berücksichtigen wir verschiedene Aspekte von Sexualität, die ansonsten auch durch Missverständisse - von solchen berichteten in den freien Textfeldern übrigens auch mehrere männliche und weibliche Gleichklang-Mitglieder- sexuelle Übergriffe fördern könnten. Speziell schlagen wir Mitglieder nicht einander vor, wenn eine Seite dezidiert nicht nach erotischen Begegnungen, die andere aber auch nach unverbindlicheren erotischen Begegnungen sucht. Wir schlagen ebenfalls Mitglieder nicht einander vor, wenn eine Seite ausschließlich platonsich und die andere nicht ausschließlich platonisch sucht. Ebenfalls berücksichtigen wir im Matching die gewünschte Geschwindigkeit einer auch erotischen Beziehungsgestaltung. Indem wir mögliche BDSM-Präferenzen oder deren Ablehnung miteinander abgleichen, reduzieren wir ebenfalls auf diese Ebene mögliche Unstimmigkeiten. Tatsächlich haben wir diese Matching-Prozesse schrittweise und als Reaktion auf Mitgliederanregungen und Vorkomnisse eingeführt. Wir haben durch diese Veränderungen des Matching eine deutliche Reduktion an uns berichteter Vorfälle verzeichnen können.

- Wenn schwere sexuelle Übergriffe im Sinne von Nötigung, nötigungsähnlichen, Vergewaltigung oder vergewaltigungsähnlichen Vorkomnissen gemeldet werden, werden die entsprechenden Mitglieder sofort gesperrt und es wird ihnen keine Kontaktaufnahme zu anderen Mitgliedern ermöglicht. Wir treten mit den Mitgliedern in Kontakt, machen sie auf die im Raum stehenden Vorwürfe aufmerksam und bitten um Stellungnahme. Melden sich die Mitglieder nicht, bleiben sie lebenslang gesperrt (wobei wir aber Neuanmeldungen mit anderen Daten nicht verhindern können). Bestätigt sich in der Stellungnahme die Schwere des Vorwurfs, bleiben die Personen gesperrt und werden von uns auf die Notwendigkeit hingewiesen, sich therapeutische Hilfe zu suchen. Die Opfer werden von uns ebenfalls hierauf sowie auf die Möglichkeit einer Anzeige hingewiesen, einschließlich hierfür bestehender Hilfsmöglichkeiten hingewiesen. Glücklicherweise haben wir in den Jahren seit unserem Bestehen 2006 nur eine äußerst gerintge Anzahl entsprechender Vorgänge gehabt. Unsere aktuelle Umfrage bestätigt, dass solche Vorfälle tatsächlich offenbar äußerst selten geschehen, auch wenn wir von einer Dunkelziffer ausgehen müssen.

-  Werden uns sexuelle Übergriffe/unangemessenes Verhalten bei weitem unterhalb der Schwelle von Nötigung oder Vergewaltigung berichtet, treten wir mit den betreffenden Personen in Kontakt und wirken auf eine Klärung und sollten sich die Vorfälle bestätigen Verhaltensänderung hin. Auch hier erfolgen Sperrungen, wenn keine Bereitschaft zu Klärung oder Verhaltensänderung besteht. Ebenfalls weisen wir aber auch Mitglieder, die uns schreiben, darauf hin, wenn wir nach unserer Einschätzung keine Hinweise auf ein Fehlverhalten erkennen können.

-  Wir haben uns bewusst gegen eine Zensur von Text- und Bildmaterial entscheiden, es sei denn, dieses verstößt gegen Gesetze. Solches Bild-und Textmaterial sagt oft bereits recht viel über die Bedürfnisse, Wünsche und den Lebensstil einer Person aus. Wem dies nicht gefällt, der wird sofort darauf hingewiesen und damit vor einer Kontaktaufnahme geschützt. Wir haben für diese Praxis bereits Kritik einstecken müssen mit Aufforderungen Bilder oder Texte von Mitgliedern zu entfernen, sind aber der Ansicht, dass hierdurch eine hochwirksame Form der selbstgesteuerten Auswahl möglich wird, die wir auch künftig erhalten wollen.

-  Es gibt bei uns keine Möglichkeiten, gezielt nach alleinerziehenden Müttern oder Vätern minderjähriger Kinder zu suchen, obwohl diese Funktion durchaus oft aus vollkommen legitimen Gründen angefragt wird. Wir verzichten auf diese Funktion, um Personen mit pädophilen Motiven keinen Anreiz für eine Mitgliedschaft bei Gleichklang zu geben. Personen, die in ihren Nachrichten, freien Texten oder Bilder Hinweise auf pädophile Neigungen geben, werden bei uns sofort und lebenslang gesperrt. Hinweise auf Therapien werden gegeben. Glücklicherweise handelt es sich hier aber ebenfalls um äußerst selten auftretende Fälle bei Gleichklang.  

- Wir raten unseren Mitglieder unbedingt, das erste Treffen an einem öffentlichen Ort durchzuführen. Wir raten davon ab, ein erstes Kennenlernen in Privatwohungen oder an einsamen Orten stattfinden zu lassen, wie es nach den Ergebnissen einer anderen Umfrage allerdings leider fast 10% der Mitglieder weiterhin tun. Hierdurch steigt die Gefahr an, Opfer sexueller Übergriffe und Gewalt zu werden. Übrigens halten es wir es für einen komplett falschen Ansatz, von Tipps für eigenes Verhalten abzusehen, um nicht in den Verdacht zu geraten, die Opfer anstatt die Täter für die Übergriffe verantwortlich zu machen. Schließlich werden beispielsweise auch bei allen anderen  Straftaten polizeiliche Empfehlungen gegeben, wie das Risiko gesenkt werden kann, ohne dass jemand auf den Gedanken komme, dadurch Opfer zu Tätern zu machen oder Straftaten zu rechtfertigen. Dass diese Diskussion dennoch in Anbetracht der Ereignisse von Köln derzeit verstärkt geführt werde, zeigt nach unserer Einschätzung, dass die Gesellschaft sich derzeit nicht rational mit der zentralen Thematik sexueller Übergriffigkeit auseinandersetzt. Die Kommunikation von Schutzmaßnahmen durch Gleichklang bedeutet nicht, dass sexuelle Gewalt legitimiert oder die Opfer verantworltich gemacht werden, sondern entspringt allein dem berechtigten und dem notwendigen Anliegen, das Risiko dafür zu senken, dass Mitglieder im Verlauf des Dating bei Gleichklang Opfer sexueller Übergriffe werden.

 

Was wir verbessern wollen

- Wir werden eine einfachere Missbrauchs-Meldefunktion bei Gleichklang einführen, die die Schwelle zur Meldung von Übergriffen senken soll.

- Wir werden zusätzlich zu den Community-Regeln eine extra Seite erstellen, in der wir über das Problem sexueller Übergriffigkeit informieren und Ansprechpartner benennen. Wir wollen hier auch noch klarer herausarbeiten, was vor Missverständnissen schützen kann, wie sie uns bei körperlichen Berührungen sowohl durch männliche wie weibliche Gleichklang-Mitglieder gemeldet wurden. Ohne dass wir zwischenmenschliches Verhalten übermäßig reglementieren wollen, halten wir es für die beste Lösung, wenn Mitglieder im Kennenlernprozess vor dem Aufnahmen einer körperlichen Berührung sich verbal rückversichern, dass diese auch gewünscht ist (z.B. "Ich möchte dich gerne in den Arm nehmen - ist dir dies recht?"). Natürlich bilden sich im Beziehungsaufbau schließlich andere Formen der Wahrnehmung und Kommunikation heraus, die zwanglose Berührungen ermöglichen. Wir wissen aber aus den Mitteilungen unserer Mitglieder, dass es in den Anfangsphase hier zu Missverständnissen kommen kann, die ganz leicht durch eine zwanglose sprachliche Rückversicherung vermeidbar wären. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich wiederum einzelne Mitglieder durch so eine Frage belästigt oder unter Druck gesetzt fühlen, wir halten dies  aberfür allemal besser, als sofort zur Handlung zu schreiten. Zudem können so Mitglieder auch in einen Lernprozess eintreten, eigene Bedürfnisse, auch nach körperlicher Zuwendung, angemessen und sensitiv zu formulieren wie auch geäußerte Bedürfnisse angemessen zurückzuweisen.

 

Positiven Bezug zur Sexualität erhalten

Wichtig ist, dass die Diskussion um sexuelle Übergriffe nicht mit negativen und restriktiven Haltungen zur Sexualität vermischt wird. Bei der Sexualität zwischen erwachsenen, zustimmungsfähigen Personen gilt vielmehr, dass typischerweise alles erlaubt und angemessen ist, was von beiden gewollt und begehrt wird. Offene Gespräche und Austausch über Sexualität sind wünschenswert. Sie erlauben, Hemmungen und Blockaden zu überwinden, die eigene Bedürftigkeit zu erkennen und Sexualität gemeinsam mit einem anderen Menschen positiv erleben zu können. Offene Kommunikation ist ein Schutzfaktor gegenüber sexuellen Übergriffen. So können Missverständnisse vermieden werden. Tatsächlich werden sexuelle Übergriffe nicht immer, aber durchaus auch nicht selten von Personen begangen werden, denen es an sexualkommunikativen Kompetenzen fehlt.

Sachlage ist, dass vorherige Umfragen eindrucksvoll aufgezeigt haben, dass seelische und körperliche Nähe, einschließlich Sexualität, bereits früh im Kennenlernprozess entstehen können und sich dann positiv auf den Beziehungsaufbau auswirken. Es kann also nicht darum gehen, vor Sexualität zu warnen, um sexuelle Übergriffe zu verhindern, sondern wir möchten stattdessen unsere Mitglieder ermutigen, offen über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse (einschließlich deren möglichem Fehlen - Asexualität) zu sprechen. Es ist wichtig, Erlebniswünsche und Grenzen klar darzustellen und bereit zu sein für einen sensitiven Annäherungsprozess an den anderen Menschen, der - auch mit Hilfe verbaler Rückversicherungen - Grenzverletzungen vermeiden kann.

 

Hinweis zur Repräsentativität unserer Umfrage

An der Untersuchung beteiligten sich ausschließlich Gleichklang-Mitglieder und die  Untersuchung kann daher keine Repräsentativität für sich beanspruchen. Der Befund, dass jede sechste befragte Frau bereits Opfer eines schweren Sexdualdeliktes in ihrem Leben geworden ist, entspricht aber dem wissenschaftlichen Forschungsstand. Es ist daher wahrscheinlich, dass auch die anderen Ergebnisse auf die Gesamtgesellschaft im Wesentlichen übertragen werden können.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Erika Maag Goudiaby | 2016-02-04

Ich schätze Ihre gründliche Umfrage betr. sex. Missbrauch sehr. Ich habe als Psychotherapeutin Langezeit in diesem Gebiet gearbeitet, d.h. v.a. die verheerenden Folgen von sex. Missbrauch in der Kindheit gesehen und miterlebt. Falls Sie planen innerhalb des Gleichklangs eine Beratungsstelle od ähnliches aufzubauen würde ich mir gerne überlegen, ob ich da mithelfen wollen würde. (Sie merken, ich bin mir nicht sicher, doch ich schreibe es jetzt mal so..).
Mit bestem Dank und freundlichem Gruss Erika Maag Goudiaby

Kommentar von Andreas | 2016-02-04

Den Personalausweis zu kopieren und danach abzuspeichern ist verboten. Siehe Verwaltungsgericht Hannover Urteil v. 28.11.2013, Az.: 10 A 5342/11
„Gesetzes über Personalausweise und den elektronischen Identitätsnachweis“ (PAuswG); § 14 i.V.m. § 20 Abs. 2 PAuswG. § 20 Abs. 2 PAuswG regelt eindeutig:
„Außer zum elektronischen Identitätsnachweis darf der Ausweis durch öffentliche und nichtöffentliche Stellen weder zum automatisierten Abruf personenbezogener Daten noch zur automatisierten Speicherung personenbezogener Daten verwendet werden.“
d.h. Kopie von Personalausweis ist grundsätzlich verboten!
Ausdrückliche Ausnahmen gibt es nur für Kredit- und Finanzierungsinstitute (Banken) gem. § 8 Abs. 1 S. 3 Geldwäschegesetz, für Telekommunikationsanbieter (z.B. für Handyvertrag) § 95 Abs. 4 S. 2 TKG sowie für Fahrerlaubnisbehörden als Identitätsnachweis nach dem Straßenverkehrsgesetz, vgl. § 64 Abs. 1 Nr. 2 Fahrerlaubnisverordnung.

Kommentar von Anna | 2016-02-04

Eine Möglichkeit, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen, ist - entgegen der Empfehlung von Gleichklang - sich eben nicht möglichst schnell zu treffen, sondern erst einmal eine Reihe von Chiffre-Nachrichten auszutauschen und ein paarmal miteinander zu telefonieren, bevor man sich trifft. So kann ich mehr von meinem Gegenüber erfahren (auch zwischen den Zeilen); und "gewisse Zeitgenossen" werden dabei ausgesiebt, weil sie schlicht die Geduld verlieren.
Eine spontane herzliche Umarmung würde ich nicht als "sexuellen Übergriff" ansehen. (Anders läge der Fall natürlich, wenn die Art der Umarmung eindeutig von sexueller Zudringlichkeit und Machtausübung geprägt wäre.)
Wer für den anderen so viel Interesse und Wertschätzung empfindet, daß er sich wochenlang schriftlich und telefonisch mit ihm ausgetauscht hat (und dabei hat man sich ja nicht nur übers Wetter unterhalten), dem traue ich auch die nötige Sensibilität zu, um zu erspüren, ob sein Gegenüber für eine Umarmung offen ist (läßt sich meist auch an Stimme, Verhalten und Körpersprache ablesen). Ausdrücklich fragen würde ich persönlich nur, wenn ich mir darin wirklich nicht sicher genug wäre; mit der Frage könnte ich den anderen ja auch unter Druck setzen.
Weitergehende Formen des Ausdrucks von Zuneigung und auch sexueller Anziehung entwickeln sich eher einvernehmlich und im sensiblen Eingehen aufeinander, wenn beide vorab schon ein gewisses Gespür füreinander entwickeln konnten - was bei einem "möglichst schnellen Treffen" schwer sein dürfte.
Und wie gesagt: Eine einfache herzliche Umarmung werte ich nicht als "sexuellen Übergriff".
Vielleicht bräuchte unsere Welt eher mehr spontane Herzlichkeit, die nicht gleich sexuell (über-)interpretiert wird.

Kommentar von Michael Lange | 2016-02-04

Der Kommentar von Anne (2016-02-04) entspricht auch sehr meinen persönlichen Vorstellungen. Oftmals geht es mir auch als Mann so, dass ich mich auch erst einmal per Mail austauschen möchte, um dann zu telefonieren. Danach und das sollen auch Beide wirklich wollen, würde ich mich gerne Treffen. Häufig erlebe ich es aber, dass gerade Frauen sehr drängeln, damit es sehr schnell zu einem Treffen kommt und ich mich dabei nicht unbedingt wohl fühle. Es sind aber auch dann gerade die Frauen, die gar nicht bereit sind, den anderen erst einmal überhaupt kennen lernen zu wollen. Materielle Vorstellungen dabei deutlich im Vordergrund stehen.

Was mir auch nicht gefällt ist, wenn Frauen einfach Mails nicht mehr beantworten. So denke ich, dass man seinem Gegenüber doch mitteilen sollte, wenn kein Interesse mehr besteht. Aber einfach zu schweigen, so nach dem Motto der andere wird schon merken das kein weiteres Interesse besteht, finde ich nicht in Ordnung. Solch eine Vorgehensweise finde ich einfach unhöflich.

Und nicht jeder Mann möchte unbedingt gleich beim ersten Treffen mit einer Frau in die Kiste. Kaum in einer fremden Wohnung angekommen sich nackt auszuziehen so nach dem Motto: "Das stört Dich doch wohl nicht" finde ich einfach nur daneben und ist auch irgendwie übergriffig. So etwas und ähnliche Dinge habe ich auch als Mann bei Gleichklang schon erlebt. Und ebenso immer das leidige Thema, dass Mails nicht zeitnah oder einfach gar nicht beantwortet werden. Und ich bin absolut kein Mann der in irgend einer Weise sich unhöflich verhält. Spätestens nach einer Woche werden solche Vorschläge von mir gelöscht. Auch stört es mich schon wenn im "freien Text" keine Information vorhanden sind. Hier können Einstellungen und Vorstellungen die der Einzelne so hat, sehr deutlich gemacht werden. Und sind damit eine wichtige Information.
Wobei ich eine spontane und herzliche Umarmung z. B. beim Abschied, wenn ein Treffen entsprechend war für absolut in Ordnung halte.

Kommentar von Team Gleichklang.de | 2016-02-05

@ Anna

Du hast Recht, dass ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen der Empfehlung, sich möglichst bald zu treffen, und Strategien zur Minimierung von Risiken besteht. Unsere Empfehung befgründet sich darauf, dass wir einen sehr großen Unterschied in den Vermittlungsraten zwischen denjenigen erkennen können, die sich rasch treffen, und denen, die längere Zeit abwarten. Wir hatten dazu eine Umfrage durchgeführt.

Dabei gibt es aber natürlich auch niemals Empfehlungen, die für jeden gültig sind, und es ist eine individuelle Entscheidung. Wir denken jedoch, dass auch bei einem relativ frühen Treffen (was ja nicht bedeutet, dass nicht vorher mehrere Mails ausgetauscht und Telefonate stattgefunden hätten) Sicherheit gerade auch durch die Wahl einer öffentlichen Ortes schon gewährleistet werden kann, auch wenn es niemals eine absolute Sicherheit gibt.

Tatsächlich werden Berührungen sehr unterschiedlich erlebt, was der oder die eine als angenehm, völlig in Ordnung erlebt oder sogar vermisst, kann von jemanden anderes als sehr unangenehm und bedrängend erlebt werden. Wir glauben daher, dass in der Kennenlernphase eine einfache verbale Rückversicherung (darf ich dich umarmen?) am besten geeignet ist, Unstimmigkeiten zu vermeiden, auch wenn es richtig ist, dass nicht jeder solche verbalen Rückversicherungen gewohnt ist.

@ Michael

Die von dir benannten Ärgernisse sind nicht geschlechtsspezifisch. Es beschweren sich Frauen über die gleichen Verhaltensweisen von Männern. Leider können wir von uns aus kein zeitnahews Antwortverhalten etc. erzwingen. Jedoch wird es demnächst keine Möglichkeit mehr geben, einen freien Text auszulassen.

@ Andreas

Wir haben den Vorschlag mit dem Personalausweis ja auch nur als Vorschlag von Mitgliedern publiziert. Allerdings ist uns nicht so klar, ob eine einfache Kopie und nicht elektronische Abspeicherung nicht doch möglich wäre. Wie dem auch sei, wenn wir einen Identifitätsnachweis in der Form verlangen würden, würde unsere Mitgliederzahl sicherlich um 90% und mehr sinken, so dass dies nicht möglich ist. Was wir aber mittelfristig schon überlegen, ist, ob wir die freiwillige Zusatzoption eines Identitätsnachweise anbieten, dann aber über Postident, was ja die von dir genannten Probleme vermeiden würde.

@ Erika

Vielen Dank für dein Angebot. Wir werden auf dich zurück kommen.

Kommentar von Andreas B. | 2016-02-05

Werte Mitarbeiter,

die Relativierung der sexuellen Gewalt von Ausländern in mehreren Städten durch die Einbettung in die gesamtgesellschaftliche Situation finde ich nicht in Ordnung.

Die Gleichsetzung des Magazins "Focus" mit dem NS-Hetzblatt "Der Stürmer" ist für mich völlig geschmacklos und geht auch an der Realität und der Geschichte vorbei.

Ich überlege daher, meinen Vertrag mit "Gleichklang" zu kündigen.

Kommentar von DomRep2014 | 2016-02-05

@ Andreas B.

der Stürmervergleich ist tatsächlich unangebracht, allerdings wurde der Focus zuvor mit keinem Wort erwähnt! Möglicherweise lesen Sie das zwischen den Zeilen heraus, da Focus Online eine der ersten überregionalen Nachrichtenseiten war, die das Schweigekartell bezüglich der Berichterstattung über die Massenvergewaltigung durch den sogenannten Islamischen Staat an Silvester gebrochen hat.

Man muss der Auswertung der Umfrage jedoch zugute halten, dass sie nicht nicht vom gängigen linksfeministischen Duktus (nichtbehinderter, weißer, heterosexueller Mann = Täter, der Rest = Opfer) durchsetzt ist, sondern das Ergebnis sehr sachlich und rational interpretiert wird. Die Sache mit der zusätzlichen Denunziationmöglichkeit sollte Gleichglang lieber den zuständigen Strafverfolgungsbehörden überlassen (obwohl man immerhin vorgibt, das ganze nicht im Kachelmann-Stil aufzuziehen) und die Viertelmillion besser in sinnvollere Funktionen stecken. Im Übrigen gedenke ich auch meine Mitgliedschaft nicht mehr zu verlängern bzw. zu kündigen.

Kommentar von Martha | 2016-02-05

Ich schließe mich dem Kommentar von Anna vom 2016-02-04 voll an. Hatte bisher keine schlechten Erfahrungen bei meinen Treffen in vorwiegend öffentlichem Raum (Restaurant, Museum, Ausstellung). Aber vielleicht lag es auch daran, dass ich schon oft beim miteinander Schreiben oder Telefonieren einen ersten Eindruck gewinnen konnte und so trifft man nicht auf einen nicht ganz so unbekannten Menschen. Allerdings langes herum schreiben finde ich auch nicht so zuträglich. Man baut sich so schnell ein falsches verträumtes Bild vom jeweils Anderen auf. Letzten Endes entscheidet doch unsere Lebenserfahrung, wie wir aufeinander zu gehen und wenn es schön war, warum nicht ein herzlicher Drücker zum Abschied? ;) Was ist daran sexuell, in einer derart aufgeklärten Welt, in welcher wir umgeben sind von sexistischen Bildern? Sei es die Werbung bzw. die Medien im allgemeinen?

Kommentar von Crazy_Raspberry | 2016-02-11

Ich habe selber an der Umfrage mitgemacht und bin gar nicht auf Verbesserungsideen gekommen. Dabei finde ich die Möglichkeit, ein Mitglied einfacher zu melden, sehr gut. Ebenso fliegen Mitglieder raus, die nichts schreiben im freien Text. Für mich ein No-Go für eine schriftliche Plattform.

Ich bin schon lange gelegentlich auf Vermittlungsplattformen unterwegs und bin zum Schluss gekommen, dass ein rasches Treffen besser ist. Das muss natürlich jeder selber entscheiden, aber ich finde, live und an einem öffentlichen Ort bekommen ich ein besseres Bild der Person. Mir bleibt das Date in Erinnerung, das trotz langem Hin-und-Her-schreiben erst kurz vor dem Treffen ein "etwas konservatives" Weltbild erwähnte. Ich traf ihn trotzdem und musste nach 5 Minuten schon feststellen, dass er extrem rechts war und allein schon deswegen für mich als Partner nicht in Frage kam.

Ich wäre bis zur Anmeldung hier nicht auf die Idee gekommen, dass man sich bereits beim ersten Date über Bedürfnisse unterhalten kann oder in gewissem Umfang vielleicht sogar soll. Ich halte nichts von starren Regeln, wonach man sich nach dem 3. Daten küssen darf, finde es aber durchaus sinnvoll, Beziehungsfragen erst dann anzusprechen. Man ist dann noch nicht unsterblich verliebt, kann aber wahrscheinlich bereits abschätzen, ob eine Beziehung in Frage kommt.

Auf Gleichklang habe ich hingegen den erfreulichen Eindruck, dass sich die Mitglieder Zeit nehmen können und dass Gier weniger verbreitet ist als anderswo.

Kommentar von maruli | 2016-02-19

Sexuelle Übergriffe lassen sich ohne Evolutionsbiologie und Biopsychologie nicht ausreichend erklären.

Ich habe dazu einen ausführlichen Blogartikel geschrieben:

Sexuelle Übergriffe als Ausdruck der Darwin'schen Fitness

http://gehirnorientiert-kopfgesteuert.blogspot.de/2016/02/73-sexuelle-ubergriffe-als-ausdruck-der.html

Kommentar von Mel | 2016-02-22

Hallo Gleichklang-Team,

ich schätze es sehr, dass Ihr für dieses Thema sensibilisieren wollt und diese Umfrage gestartet, ausgewertet, Verbesserungsvorschläge von Mitgliedern ernst genommen und Euer bisheriges, sowie geplantes Vorgehen zur Vermeidung/ Verminderung von sexuellen Grenzüberschreitungen transparent gemacht habt!

Ich bin erst seit Kurzem bei Gleichklang, habe vorher nur sehr kurz eine bekannte Dating-Seite genutzt und mich dort schnell wieder abgemeldet, da ich häufig und sehr aufdringlich von Personen außerhalb meiner Suchkriterien angeschrieben wurde.
Bei Gleichklang gefällt mir besonders, dass Mitglieder eben nicht in dem großen Topf heraussuchen können, nach wem es sie beliebt, sondern dass nach einem gewissen Matchingverfahren Mitglieder einander vorgeschlagen werden.
(Danke an dieser Stelle noch einmal für die erklärenden Angaben weiter oben, welche Matchingpunkte übereinstimmen müssen um einander vorgeschlagen zu werden. Transparenz schafft Vertrauen.)
Auch die Möglichkeit, Kontakte zu löschen und damit einen weiteren Kontakt zu verhindern, halte ich für ein Muss für jede Partnervermittlung!

Noch ein weiteres Lob, allerdings indirekt: Bei Gleichklang habe ich bei einer sehr viel geringeren Auswahl an potentiellen Partnern im Vergleich zu "herkömmlichen" Partnervermittlungen (eben da man einander vorgeschlagen wird und nicht unter den 1000en von Mitgliedern aussuchen kann), sehr viel mehr Profile (Partnersuche als auch Freundschaftssuche) als interessant empfunden, als auf erwähnter herkömmlicher Seite.

Also mal ein einfaches Danke!

Kommentar von Clemens | 2016-05-23

Nachdem ich (65 J m) an der Befragung teilgenommen hatte und angegeben hatte, dass mir gegenüber keine sexuellen Übergriffe oder keine sexuelle Gewalt stattgefunden hätte, wurde ich plötzlich von mehreren Erinnerungen überrascht, wo Frauen mir gegenüber außerordentlich gewalttätig geworden sind! Obwohl ich mit meiner psychotherapeutischen Ausbildung doch über Verdrängung und Vermeidung bestens informiert bin, habe ich diese Ereignisse völlig verdrängt! Eine hatte mich raffiniert manipuliert, damit sie ein Kinde von mir bekommt. Eine andere hat im gegenseitigen Einverständnis beim erotischen Bettspiel mich festgebunden. Als ich abbrechen wollte, hat sie mich „vergewaltigt”, indem sie sich auf mich gesetzt hat und so den Koitus erzwungen hat. Eine weitere hat in der Öffentlichkeit deutlich sichtbar in meine Hose gefasst.

Mich hat sehr die Frage beschäftigt: Wenn mir trotz meiner psychologischen Kenntnisse so etwas passiert (Verdrängung / Vermeidung) und wenn dies evtl. ein männertypisches Verhalten wäre (nicht zugeben können / dürfen, dass mir soooo etwas passiert ist), dann müsste die Dunkelziffer der sexuellen Gewalt gegen Männer erschreckend hoch sein!

Über die medial induzierte Wahrnehmungsverzerrung betr. sexuelle Gewalt gegen Frauen wurde ja schon einiges geschrieben. Aber diesen Aspekt, den ich bei mir selbst entdecken konnte, habe ich so noch nicht beschrieben gefunden.

Das Gute für Gleichklang: Keine der mir über Gleichklang vermittelten Frauen war an sexueller Gewalt oder anderen Übergriffen beteiligt.